Wie blogge ich?

Einleitung

Da dies mein vielleicht bisher umfangreichster Artikel wird, habe ich mich entschlossen ihn ein wenig zu untergliedern. Aber zurück zum Thema. Worum soll es hier eigentlich gehen? Ich bin ein Mensch der sich schon immer sehr dafür interessiert hat wie andere Menschen Dinge erledigen. Und mit Dinge meine ich hier vor allen Arbeitspraktiken im IT-Bereich. Welche Programme werden von Powerusern für welche Aufgabe genutzt? Warum nutzen sie diese? Und wie haben sich Poweruser durch verschiedene Konfigurationen Systeme geschaffen, die es ihnen ermöglichen Aufgaben äußerste effizient zu erledigen?

Es gibt z. B. eine ganze Reihe von Aufgabenverwaltungssysteme da draußen, remember the milk, Wunderlist oder Evernote – um nur einige von ihnen zu nennen. All diese Systeme besitzen sehr gute UIs und sind somit von vielen Leuten sehr einfach zu bedienen. Auf der Suche eines geeigneten Systems für mich fand ich aber auch den Emacs Org-Mode. Dieses System kommt ganz ohne GUI aus und ermöglicht es GTD-Strategien komplett in Plain-Text abzubilden. Die “Entdeckung” des Org-Mode ist Ausgangspunkt dafür, wie ich heute meinen Blog betreibe.

Org-Mode

Ich will jetzt nicht genau beschreiben, wie der Modus zu benutzen ist oder was er alles leisten kann. Der Org-Mode besitzt nämlich bereits eine sehr gute Community, die viele Tutorials und sogar Screencasts erstellt hat. Sogar der Erfinder selbst – Carsten Dominik – hat bereits mehrere Präsentationen gehalten, die bei den Tutorials zu finden sind.

In Kürze: Der Org-Mode ist zunächst erst einmal ein System mit dem man im Wiki-ähnlichen Syntax Dokumente erstellen kann, die man später nach PDF, HTML oder viele andere Formate exportieren kann. Im folgenden Bild seht ihr eine im Emacs geöffnete org-Datei, die den prinzipiellen Syntax vom Org-Mode zeigt:

orgModeEmacs

Exportiert man genau diese Datei dann nach Html, so ergibt sich unter Verwendung eines entsprechenden css-Sheets das folgende Bild:

orgModeHtml

Die Erzeugung einer reinen HTML-Seite reicht aber nicht aus wenn man das ganze Org-System an seinen vorhanden WordPress-Blog anbinden möchte. Schließlich will man ja auf den Komfort von WordPress nicht verzichten. An dieser Stelle kommt org2blog ins Spiel.

Org2Blog

Org2Blog ist ein Tool, dass es ermöglicht direkt aus Emacs’ Org-Mode heraus Beiträge für einen auf WordPress basierenden Blog zu erstellen. Um Blogeinträge zu verfassen muss ich somit weder auf meinen Lieblingseditor Emacs, noch auf den extrem leistungsfähigen Org-Mode verzichten. Aber nun genug der Vorrede. Jetzt geht’s an’s Eingemachte!

Wie entsteht ein neuer Artikel?

Alle Artikel des Blogs befinden sich bei mir in der Datei blog.org. Einen Auszug dieser seht ihr hier:

blogStart

In der ersten Zeile befindet sich der Titel der Datei, der aber in diesen Fall keine Rolle spielt, da er nie auf den Blog landen wird. In den nachfolgenden Kommentaren habe ich mir die Kurzbefehle notiert, mit denen man dann einen neuen Artikel zum Blog schicken kann. Danach kommt dann meine Artikel-Schablone, welche ich zu Beginn eines neuen Eintrages zunächst nach unten kopiere.

Jetzt kann es los gehen. Ich trage den Artikelnamen nach den Stern ein, versehe den Artikel mit Tags (TagA, TagB) und stecke ihn in eine passende Kategorien (Kategorie1, Kategorie2). Ein Bild image.png füge ich den Eintrag auch gleich noch hinzu. Es befindet sich im Ordner img/. Hier das Ergebnis:

blogStart2

Damit ist mein Artikel fertig und kann in den Blog wandern. Das Resultat seht ihr hier:

blogStart3

Nachdem mein Artikel zum ersten mal auf dem Blog gelandet ist, versieht das Org2Blog-Tool den Artikel mit weiteren Metainformationen, die automatisch in die blog.org-Datei eingetragen werden:

blogStart4

Mit Hilfe der so erstellten ID ist es dann beispielsweise möglich, nachträglich den Artikel direkt im Emacs zu verändern. Das Plugin erkennt dann bei der nächsten Übertragung den Artikel auf den Blog-Server und verändert den bereits vorhanden Artikel. Es wird also nicht wieder ein neuer Artikel mit den gleichen Namen und Inhalt in WordPress angelegt. Das war’s auch schon! Der Artikel ist online!

Vorteile

Hat man sich einmal sein Emacs-, Org-Mode- und Org2Blog-Setup erstellt (alle Einstellungen dazu befinden sich in der Datei ~/.emacs). Kann man sehr leicht und schnell neuen Content für seinen Blog generieren. Die Möglichkeiten selbst scheinen jetzt grenzenlos. Der Org-Mode bringt z. B. schon Syntax-Highlighting für verschiedene Programmiersprachen mit sich und auch das Anlegen kleinerer Tabellen ist mit ihn ein Kinderspiel.

Ein weiterer Vorteil ist, dass mir auch immer alle bereits verfassten Blogeinträge Offline in einer einzigen Datei zur Verfügung stehen. Unübersichtlich kann diese auch nicht werden, denn mit Hilfe von Org sind beim öffnen der Datei blog.org zunächst alle Artikel eingeklappt. Bei Bedarf öffne ich einen mit einen simplen Druck auf die Tabulator-Taste.

Nachteile

Perfekte Systeme verlangen zunächst immer viel Konfigurationsarbeit. Und damit die anfänglich, mühselig zusammengebauten Konfigurationsfetzen zu einer Einheit verschmelzen vergeht Zeit, müssen Tutorials gelesen und Testläufe durchgeführt werden. Am Ende wird man jedoch für seine Mühen belohnt und der Arbeitsaufwand amortisiert nach und nach.

Fazit

Das Bloggen mit dieser Vorgehensweise macht für mich so einfach doppelt Spaß. Ich liebe es wenn Dinge bis ins Kleinste ausgearbeitet und von der optimalen Lösung nur noch wenige Millimeter entfernt sind oder diese gar erreichen. Aber zufrieden bin ich noch nicht. Es gibt auch hier noch viele Möglichkeiten Finetuning zu betreiben. Vielleicht gibt mir ja einer von euch noch Tipps was ich hier und da noch verbessern könnte. Über solche Anregungen bin ich immer sehr sehr dankbar! Also her damit 😉

Nachtrag

Ich habe hier bewusst darauf verzichtet zu erläutern, was wie konfiguriert werden muss, damit das ganze hier so butterweich funktioniert. Es hätte einfach den Rahmen des Artikels gesprengt und von meinen eigentlichen Ziel abgelenkt euch einmal meine derzeitige Arbeitsweise näher zu bringen. Ich möchte auch noch kurz Sven erwähnen, der mir den Anstoß für diesen Artikel gab.